Die Bahn zu nehmen ist wahrscheinlich die beste Entscheidung, wenn man im bergigen Terrain der Schweiz so schnell wie möglich von A nach B kommen möchte. Die beschauliche Alpenrepublik verfügt nämlich über das dichteste Eisenbahnnetz der Welt! Mehr Superlative sowie Interessantes und Wissenswertes rund um das Thema Bahn − in der Schweiz und in der ganzen Welt − haben wir im Folgenden für dich zusammengetragen.

Übrigens: Auch andere Länder haben schöne Bahnen! Auf unseren Seiten rund um das Thema Zugfahren in Deutschland und Österreich findest du alles Wissenswerte, Spannende und Absonderliche, nicht nur zu DB und ÖBB!

Bahn in der Schweiz: Anbieter im Fernverkehr[1][2]


Die staatliche Eisenbahngesellschaft der Schweiz, die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), kontrollieren mit ihrem gut ausgebauten Streckennetz die Schienen des Landes. Dazu kommen noch einige kleinere Bahnanbieter (z.B. Rhätische Bahn, Hafenbahn Schweiz, Chemins de Fer du Jura, Schweizerische Südostbahn) und, wo es keine Schienen gibt, ergänzen Postbusse das Streckennetz auf der Straße. Neben den schweizerischen Anbietern werden die Schienen der Alpenrepublik ebenfalls von den großen Bahngesellschaften der umliegenden Nachbarländer befahren (z.B. Deutsche Bahn, ÖBB, SNCF etc.). Insgesamt umfasst das Bahnnetz in der kleinen Schweiz unglaubliche 5.100 Kilometer − eines der dichtesten Verkehrsnetze der Welt! Nähere Informationen zu den Anbietern, die auf den schweizerischen Schienen unterwegs sind, und deren Preise und Verbindungen findest du hier:


Bestleistungen: die Bahn und ihre Superlative


HÖHER!

Weltweit: Äußerst hoch hinaus geht es für die Fahrgäste der im Jahre 2005 fertiggestellten Lhasa- bzw. Qinghai-Tibet-Bahn − nämlich bis zum Scheitelpunkt in 5.072 m Höhe! Die Volksrepublik China hat damit den Rekord der höchstgelegenen Bahnstrecke der Welt inne. Ebenfalls noch sehr hoch klettert der Ferrocarril Central Andino in den peruanischen Anden: Bis auf eine Höhe von 4.781 m hinauf geht es auf der Bahnstrecke, die zwischen den Städten Lima und Huancayo verkehrt.[3]

In der Schweiz: In einem Meer aus Eis und Schnee kommen die Fahrgäste einer Zahnradbahn mit Fahrtziel „Jungfraujoch” an. Diese höchste Bahnstation Europas befindet sich in 3.454 m Höhe im Gebäudekomplex „Top of Europe”. Rund 500.000 Reisende treten jedes Jahr von der Station „Kleine Schneidegg” aus die nur 9,3 km lange Fahrt durch die verschneite Landschaft der Schweizer Alpen an, bei der sie auf ihrem Weg zur Station „Jungfraujoch” eine fantastische Aussicht auf die Berge Mönch, Jungfrau und Eiger mit seiner berühmten Nordwand haben.[4]


SCHNELLER!

Weltweit: „Zug mit großer Geschwindigkeit“ ist die Übersetzung für den französischen „Train à Grande Vitesse”, kurz TGV. Ihrem Namen machen die Highspeed-Züge der Grande Nation alle Ehre: Im April 2007 erreichte der TGV V150 mit einer Spitzengeschwindigkeit von 574,8 km/h eine neue Rekordmarke.[5]

Die höchste Durchschnittsgeschwindigkeit hingegen erreichen die Shinkansen-Züge in Japan. Den europäischen Rekord halten die italienischen Züge mit dem wohlklingenden Namen Frecciarossa 1000: Mit einer Geschwindigkeit von durchschnittlich 400 km/h schaffen sie die Strecke von Mailand nach Rom in lediglich 2 Stunden und 15 Minuten.[6][7]

In der Schweiz: Im Allgemeinen ist die Schweiz ja nicht gerade für Schnelligkeit bekannt, das zeigt sich auch in der Welt des Bahnfahrens: Die wohl bekannteste Bahn in der Schweiz, der Glacier Express, ist der langsamste Schnellzug der Welt. Acht Stunden dauert die Fahrt von Zermatt nach St. Moritz, während der sich der diese Zug-Ikone seinen Weg durch 91 Tunnel und über 291 Brücken in den Schweizer Alpen bahnt. [8]


WEITER!

Weltweit: Die Transsibirische Eisenbahn ist eine der bekanntesten Bahnen überhaupt. Bahn-Fans in aller Welt träumen davon, einmal mit ihr durch die schier endlosen Wälder Russlands zu reisen. Kein günstiges Vergnügen, denn die Fahrt von Moskau nach Wladiwostok in der Kult-Bahn kostet rund 1700 €. Allerdings hat man auch eine Weile etwas davon, denn die 9.288 km lange Fahrt dauert ganze 18 Tage – die weiteste Bahnstrecke im Passagierverkehr.[9] Noch weiter – über 13.052 km von Yiwu im östlichen China bis Madrid – zieht sich nur die „Neue Seidenstraße“, allerdings wird diese Bahnstrecke bisher nur für den Güterverkehr genutzt.[10]

In der Schweiz: Ein wahres „Bauwerk der Superlative“ ist der längste Eisenbahntunnel der Welt, der Gotthard-Basistunnel in der Zentralschweiz: 57 km Länge, bis zu 2300 m Tiefe, 260 Güterzüge und 65 Passagierzüge täglich. Dass gut Ding Weile haben will, zeigt sich auch bei diesem schweizerischen Prestigeprojekt einmal mehr, denn bereits im Jahre 1947 hatte der Ingenieur Carl Eduard Gruner die Idee für den gigantischen Tunnel, der erst am 1. Juni 2016 eröffnete.[11]


MEHR!

Weltweit: „Seven Stars“ heißt die japanische Zugfirma, bei der Reisende während ihrer Bahnfahrt in Komfort und Luxus schwelgen können. Natürlich ist das kein günstiges Vergnügen: 5.000 € kostet das Nachtzug-Ticket der Extraklasse. Obwohl das der teuerste Ticketpreis der Welt ist, sind die Plätze so begehrt, dass die Tickets verlost werden müssen.[12]

Reisen kann man mit dem Orient-Express leider nicht mehr, denn die legendäre Zugverbindung, die mehr als ein Jahrhundert lang von Paris über Giurgiu in Rumänien bis nach Konstantinopel verkehrte, wurde 2009 eingestellt. Der Mythos bleibt, denn der durch Agatha Christies „Mord im Orient-Express“ bekannt gewordene Orient-Express wird wohl immer eine der berühmtesten Bahnstrecken überhaupt sein.[13]


Nützliches Wissen zur Bahn


Sicher: Beruhigende Zahlen liefert eine von 2007 bis 2016 durchgeführte Analyse zur Sicherheit verschiedener Transportmittel. Bahnreisende können ihre Fahrt entspanntgenießen, denn auf der Schiene ist man relativ sicher unterwegs: Das Risiko für einen tödlichen Unfall ist laut Untersuchungsergebnissen mit der Bahn 53mal geringer als mit dem Auto, und auch Gefahrengüter verzeichnen auf der Schiene einen 42fachen Sicherheitsvorsprung gegenüber der Straße.[14]

Umweltfreundlich: Verhältnismäßig gering fallen bei der Bahn die Werte für Energieverbrauch, CO2-Ausstoß, Schadstoffemissionen und Flächenverbrauch aus, und ebenfalls der Stickstoff-Ausstoß ist bei der Bahn mit 0,03 g pro Personenkilometer äußerst niedrig verglichen mit PKW (0,31 g) und Inlands-Luftverkehr (1,25 g).[15]

Entspannt: Wie viel Zeit für sich selbst man doch gewinnt, wenn man nicht selbst aufmerksam auf den Verkehr achten muss … Beim Bahnfahren lässt sich entspannt zurücklehnen, um Zeit für sich selbst zu genießen. Eine Umfrage der Deutschen Bahn aus dem Jahr 2015 deckte die bevorzugten Aktivitäten der Bahnreisenden während ihrer gewonnenen Freizeit auf (Mehrfachnennungen waren möglich): Ausruhen (48 %), Schlafen (20 %), Lesen (46 %), mit Smartphone oder Tablet beschäftigen (31 %).[16]


Unnützes Wissen zur Bahn


Schweizer Kulturgut: Weltberühmt sind die schon von weitem sichtbaren hohen Pfeiler des Landwasserviadukts in der Nähe des Bahnhofs Filisur im Kanton Graubünden. Das 65 m hohe und 136 m lange Wahrzeichen der Rhätischen Bahn wurde in den Jahren 1901 und 1902 errichtet und fügt sich perfekt in die schweizerische Hochgebirgslandschaft der Albulastrecke zwischen Thusis und St. Moritz ein. Auch über 100 Jahre nach seiner Erbauung versetzt das Landwasserviadukt alle, die es passieren, in Staunen und wurde deshalb am 7. Juli 2018 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.[17]

Lange Wartezeit: Nicht nur die Schweizer mögen Langzeitprojekte: In Argentinien dauerte die Fertigstellung des Tren a las Nubes („Zug zu den Wolken“) ganze 27 Jahre! Das Warten hat sich allerdings gelohnt, denn wer heute mit der „Wolkenbahn” unterwegs ist, erlebt eine Menge: Bevor man die Endstation La Polvorilla in 4.220 m Höhe erreicht, geht es über 29 Brücken, 21 Tunnel und 13 Viadukte. Besonders eindrucksvoll ist das auf einem 63 m hohen Stahlgitter errichtete Viadukt von La Polvorilla, bei dessen Überquerung sicherlich den meisten Fahrgästen für einen Moment der Atem stockt.[18]

Nah am Wasser gebaut: Wie bei einer Fahrt mit der Wildwasserbahn fühlen sich die Passagiere der Bahnlinie, die durch die tropische Vegetation des Barron Gorge National Park in Australien führt. Die Bahn fährt so dicht an den Wasserfällen vorbei, dass die Gischt durch das offene Fenster kommt und die Reisenden eine Dusche gratis erhalten. [19]

Feuriges Vergnügen: Auf der japanischen Insel Kyushu ist Bahnfahren ein kleines Abenteuer: Eine Verbindung verläuft an dem aktiven Vulkan Aso vorbei und bietet Bahnreisenden – besonders im Monat November, wenn an den Flanken des Vulkans das trockene Gras brennt – eine wahrlich spektakuläre Aussicht. Unbedingt einen Fensterplatz buchen![20]

Reisen mit Flirtfaktor: Eine Studie der Deutschen Bahn ergab, dass rund 10 % der Passagiere, vor allem die 16- bis 29-jährigen, ihre Mitreisenden auf ihr Dating-Potenzial prüfen. Besonders Männer sind offen für Flirts in der Bahn (etwa 13 % der Befragten gegenüber nur 7 % der befragten Frauen).[21]


Geschichte der Bahn in der Schweiz[22][23][24]


ca. 4.000 v.u.Z.:

Die Grundlage für das Entstehen des Bahnverkehrs wir gelegt: Das Rad wird erfunden.

Antike:

Eine Art „Ur-Bahn” entsteht im antiken Griechenland bzw. Rom: Erstmalig werden Spurrillen genutzt, um Schweres in einer Spur zu halten und somit besser zu transportieren.

16. Jh.:

Damit schwere Lasten besser bewegt werden können, kommen in Bergwerken erste Schienen, damals noch aus Holz, zum Einsatz.

1750:

Um mehr Stabilität zu gewährleisten werden gusseiserne statt hölzerne Schienen verwendet.

1769:

Der Schotte James Watt erfindet die Dampfmaschine und legt damit die Grundlage für die Erfindung des maschinellen Bahnantriebs.

1804:

In Großbritannien gelingt es Richard Trevithick eine erste Lokomotive zu bauen, indem er eine Hochdruckdampfmaschine auf ein Fahrgestell montiert: Die Konstruktion kann 5 Wagen, beladen mit 10 Tonnen Eisenwaren und 70 Arbeitern, ziehen.

19. Jh.:

Die Herstellung von moderneren, gewalzten Schienen schafft die Voraussetzung für das Entstehen eines Schienennetzes.

1825:

Auf einer 40 km langen Strecke zwischen Stockton und Darlington wird die erste Eisenbahnstrecke der Welt eröffnet.

1844:

Mit dem Bau der Bahnstrecke Strasbourg-Basel entstehen auf deren südlichstem Teilstück zwischen den Orten St. Louis und Basel die ersten Schienenkilometer auf schweizerischem Boden.

1847:

Die erste Binnenbahnstrecke der Schweiz zwischen Zürich und Baden wird in Betrieb genommen.

1852:

Das Eisenbahngesetz von 1852 legt fest, dass der Bahnbetrieb in der Schweiz durch private Eisenbahn-Gesellschaften und unter Aufsicht der Kantone durchgeführt wird.

1882:

Die Gotthardbahn nimmt ihren Betrieb auf und ermöglicht fortan die Überquerung der Alpen mit der Bahn. Die Bauarbeiten, für die unter anderem ein 15 km langer Tunnel in den Fels geschlagen werden muss, dauern 15 Monate länger als geplant und erfordern zeitweise das Beschäftigen von 15.000 Arbeitskräften.

1888:

Mit der Tramway Vevey-Montreux-Chillon (VMC) wird die erste elektrische Bahn in der Schweiz in Betrieb genommen. Bereits im Jahr 1928 waren − auch bedingt durch den Kohlemangel im Ersten Weltkrieg − mehr als die Hälfte aller Strecken der SBB elektrifiziert.

1895:

Ein Staatsvertrag mit Italien ermöglicht den Bau des Simplontunnels auf der Strecke zwischen Brig und Iselle di Trasquera. Mit einer Länge von über 19,8 km blieb er bis Ende der 1970er Jahre der längste Gebirgstunnel der Welt.

1960er Jahre:

Die Umstellung der Bahn auf elektrischen Betrieb wird abgeschlossen, im Jahr 1967 fährt die letzte dampfbetriebene Bahn der SBB.

2000:

Mit dem Projekt „Bahn 2000” führen die SBB sowie die schweizerischen Privatbahnen umfassende Maßnahmen zur Attraktivitäts-Verbesserung durch, z.B. Maßnahmen zur Verkürzung der Reisezeit und Erhöhung der Verkehrsdichte.


 


[1] Wikipedia: Schweizerische Bundesbahnen, abgerufen am 11.12.2018.

[2] Transport in der Schweiz: TGV-V150, abgerufen am 11.12.2018.

[3] Wikipedia: Eisenbahnstrecke, abgerufen am 22.12.2017.

[4] Rp-Online: Höchste Bahnstation Europas, abgerufen am 11.12.2018.

[5] Hochgeschwindigkeitszüge: TGV-V150, abgerufen am 22.12.2017.

[6] Wikipedia: Geschwindigkeitsweltrekorde für Schienenfahrzeuge, abgerufen am 22.12.2017.

[7] Kleine Zeitung: 400 km/h: Schnellster Zug Europas rast durch Italien, abgerufen am 22.12.2017.

[8] Zermatt.ch: Glacier Express, abgerufen am 22.12.2017.

[9] Transsibirische Eisenbahn: Kosten und Bahnpreise, abgerufen am 22.12.2017.

[10] N-tv: Gerüchte über längste Bahnstrecke der Welt, abgerufen am 22.12.2017.

[11] Tagesschau.de: Gotthard-Basistunnel, abgerufen am 11.12.2018.

[12] Galileo Lunch Break auf Youtube.com: Die teuerste Zugreise der Welt (Video), abgerufen am 22.12.2017.

[13] Wikipedia: Orient-Express, abgerufen am 22.12.2017.

[14] Allianz pro Schiene: Daten & Fakten, abgerufen am 22.12.2017.

[15] Allianz pro Schiene: Schadstoff-Emissionen, abgerufen am 22.12.2017.

[16] Presseportal: Bahnfahren: So wird die Reisezeit am liebsten verbracht, abgerufen am 22.12.2017.

[17] Rhb.ch: Landwasserviadukt, abgerufen am 22.12.2017.

[18] Reiseblog online: Die zehn gefährlichsten Bahnstrecken der Welt, abgerufen am 22.12.2017.

[19] Reiseblog online: Die zehn gefährlichsten Bahnstrecken der Welt, abgerufen am 22.12.2017.

[20] Reiseblog online: Die zehn gefährlichsten Bahnstrecken der Welt, abgerufen am 22.12.2017.

[21] Presseportal: Bahnfahren: So wird die Reisezeit am liebsten verbracht, abgerufen am 22.12.2017.

[22] Wikipedia: Geschichte der Eisenbahn in Deutschland, abgerufen am 16.02.2018.

[23] Wikipedia: Geschichte der Schweizer Eisenbahn, abgerufen am 12.12.2018.

[24] Schweizer Geschichte: Entwicklung des Verkehrs in der Schweiz, abgerufen am 12.12.2018.